Dental Tribune Switzerland

Digitaler Erfolg: 3. Internationales Gerodontologie Symposium

By Majang Hartwig-Kramer, Dental Tribune
April 30, 2021

BERN - Bereits zum dritten Mal, nach 2015 und 2018, diskutierten im Kursaal Bern Fachleute aus aller Welt über die Herausforderungen der Zahnmedizin in einer alternden Gesellschaft.

Am 9. und 10. April 2021 fand unter dem Thema «Gerodontologie: mein neues Arbeitsfeld» das 3. Internationale Gerodontologie Symposium (IGSB) statt. Mehr als 600 Teilnehmende aus 40 Ländern – davon über 100 aus Japan – folgten der Einladung der Organisatoren um die Professoren Martin Schimmel (Bern), Frauke Müller (Genf), Murali Srinivasan (Zürich) und Michael Bornstein (Basel). Das Symposium wurde in Zusammenarbeit der vier Schweizer Lehrstühle für Gerodontologie und der «Schweizerischen Gesellschaft für Alters- und Special-Care-Zahnmedizin», dem «European College of Gerodontology» und der internationalen «Gerodontology Association» unter Schirmherrschaft der SSO sowie der Japanischen Gesellschaft für Gerodontologie JSG durchgeführt.

Aus Präsenz wurde Hybrid, aus Hybrid online

Um den Herausforderungen der Pandemie zu begegnen, wurde der Kongress mehrfach umorganisiert, denn der Schutz der Teilnehmenden hatte oberste Priorität. So wurde – auch dank der unermüdlichen Arbeit des Bern Congress Organiser (BCO)-Teams unter Leitung von Caroline Chetelat – aus einer geplanten Präsenzveranstaltung letztlich ein Online-Event. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil dieser Präsentationsform: Das Programm kann im Nachgang des Kongresses noch drei Monate mit dem On-Demand-Stream verfolgt werden.

Fachvorträge am Freitag

Nach herzlichen Willkommensgrüssen durch Prof. Dr. Claudio Basetti, Dekan der medizinischen Fakultät der Universität Bern, startete das Symposium mit dem ersten von vier Themenschwerpunkten: Logistik und rechtliche Aspekte.

Prof. Dr. Reto W. Kressig (Basel) gab Antworten auf die Frage «Was erwartet der Geriater von mir (als Zahnarzt)?». Er informierte über neue Erkenntnisse aus der Altersmedizin in Bezug auf Kognition, Mobilität und Ernährung, die auch für den Behandler als Vertrauensperson geriatrischer Patienten Bedeutung haben.

Nachfolgend sprach Prof. Dr. Samia Hurst (Genf) in einem hochaktuellen Vortrag über ethische Aspekte bei der Behandlung älterer Menschen und was sich nach der COVID-Pandemie ändern wird.

Das Themenspektrum der 1. Sektion war breit gefächert und überaus praxiskompatibel: «Die seniorengerechte Zahnarztpraxis» (Dr. Marcel Z’Graggen, Chur), die «Erfahrungen eines Zahnarztes auf Achse» (Dr. Linda Coletta, Seon), «Die Versorgungslücke in der Seniorenzahnmedizin beginnt beim Putzen» (PD Dr. Dr. Greta Barbe, Köln) und «Kann die Telemedizin einen Beitrag zur Mundpflege von abhängigen Patienten leisten?» (Dr. Nicolas Giraudeau, Montpellier).

Der zweite, am Freitagnachmittag platzierte Themenblock stand unter dem Motto «Über den Mund hinaus». Prof. Dr. Beatrice Beck Schimmer (Zürich) stellte die Frage, ob eine Vollnarkose ein «No-Go» bei älteren Menschen ist. Aus Dänemark zugeschaltet wurde Prof. Dr. Peter Svensson (Aarhus), der über «Mundgesundheit mit Schwerpunkt auf der Funktion» sprach und ein neuartiges konzeptuelles Modell vorstellte. Über das, laut Prof. Dr. Frauke Müller, «in Mode gekommene» orale Mikrobiom und die allgemeine Gesundheit informierte die Genfer Professorin im Anschluss. Mit dem Beitrag «Polypharmazie und Multimorbidität – eine Herausforderung auch für die orale Gesundheit» von Prof. Dr. Michael Bornstein (Basel) endete der erste Symposiumstag.

Fachvorträge am Samstag

Die beiden Samstagssektionen beschäftigten sich mit Betreuungskonzepten und Patientenperspektiven. Dr. Willy Baumgartner (Zürich), seit 1973 als Zahnarzt tätig, berichtete über ein Pilotprojekt, was die Zürcher Zahnärztegesellschaft 1990–92 durchgeführt hatte. Darauffolgend beleuchtete Marie-Laure Grandjean (Genf) die Schweizer Situation hinsichtlich einer Ausbildung von DHs für die Altenpflege.

Bei einem gerodontologischen Kongress darf ein Thema nicht fehlen: Mundtrockenheit und -geruch. Diesem widmete sich Prof. Dr. Andreas Filippi (Basel). Im folgten die Vorträge zu «Einfachen chirurgischen Eingriffen beim dementen, polypharmazierten Patienten» (Dr. Michael Parunovac, Amsterdam), zu den aktuellen Empfehlungen der ORCA und EFCD zum Kariesmanagement bei alten Patienten (Prof. Dr. Sebastian Paris, Berlin), über das (entscheidende) Aussehen bei der altersgerechten Gestaltung von Voll- und Teilprothesen (Dr. Charlotte Stilwell, London) und zu Sinnhaftigkeit von Miniimplantaten beim alten Patienten (PD Dr. Simone Janner, Bern).

Nach der Mittagspause ging es in der 4. Sektion um die Perspektive des Patienten. Der 97-jährige renommierte Physiker Prof. em. Dr. Herwig Schopper (Hamburg, Genf) sprach über seine Erfahrungen und wagte auch einen Blick in die Zukunft. Prof. Dr. Guido Gendolla (Genf), ein weiterer «fachfremder» Redner, gab spannende Einblicke in das Gebiet der Motivation, um eine Verbesserung der Mundgesundheit zu erreichen. Im Anschluss daran stellten Dr. Emily Holmes und Prof. Dr. Paul Brocklehurst (beide Bangor) eine europäische Studie zu Präferenzen der abhängigen älteren Person für die zahnärztliche Versorgung vor.

Parallel dazu veranstalte die Japanischen Gesellschaft für Gerodontologie zusammen mit der europäischen Fachgesellschaft eine eigene Sektion, an der das Konzept der oralen Fragilität diskutiert wurde, das in Japan schon Eingang in die obligatorische Grundversicherung gefunden hat. Der JSG-Präsident Prof. Dr. Shunsuke Minakuchi eröffnete den Vortragsreigen, ihm folgten Referate zum Kauverhalten und zu oralen Unterfunktion bei Älteren (Ass. Prof. Dr. Kazuhiro Hori, Niigata), über Studienergebnisse zum Zusammenhang von oraler Unterfunktion und Unterernährung (Dr. Masanori Iwasaki, Tokio), zu Essgewohnheiten im Alter jenseits funktioneller Einschränkungen (Prof. Dr. Anastassia Kossioni, Athen) und über Xerostomie und Hyposalivation im Kontext der orofazialen Funktion und Gesundheit (Prof. Dr. Murali Srinivasan, Zürich).

Die Möglichkeiten der Panel Diskussionen, die im Nachgang jeder Sektion gegeben waren, wurden gut genutzt, um nachzufragen und mit den Referenten zu diskutieren.

Fazit

Online-Kongresse bestimmen derzeit den Veranstaltungskalender. Das neue Kongressformat hat durchaus positive Effekte – besonders, wenn es wie im Falle dieses Symposiums fachlich erstklassig vorbereitet und perfekt technisch umgesetzt wird. Das gesamte Programm kann in den nächsten drei Monaten mit dem On-Demand-Stream nachverfolgt werden – ein absolutes Plus, von dem Sie unbedingt Gebrauch machen sollten. Es lohnt sich!

 

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