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Prof. Hans R. Mühlemann: Ein Wendepunkt in der präventiven Zahnmedizin

Von Curaden
April 25, 2018

Prof. Hans R. Mühlemann oder „Mühli“, wie ihn seine Freunde und Kollegen liebevoll nannten, leistete in der Forschung zur Behandlung von Karies und Parodontitis Pionierarbeit: Er identifizierte als deren Hauptursache die Bakterienbesiedelung an Zahnoberflächen und Zahnfleisch. Als Verfechter der Prophylaxe erkannte er, wie wichtig eine gründliche Mundhygiene und präventive Maßnahmen zur Vorbeugung von Parodontitis waren, und versicherte, man könnte ohne Zahnarzt und ohne irgendwelche Staatsversicherungen in voller oraler Gesundheit leben. Noch heute tragen Fehldeutungen, durch die Werbung verbreitete zweifelhafte Gesundheitsbotschaften sowie Vergütungssysteme, die falsche Anreize setzen, dazu bei, dass der Fokus nach wie vor auf der restaurativen Zahnmedizin liegt. Demgegenüber setzt der CEO von Curaden, Ueli Breitschmid, mit seinem Einsatz für die Prävention anstelle des Reparierens Mühlemanns Erbe konsequent fort. Fast 100 Jahre nach dessen Geburt blickt Curaden auf das Lebenswerk Mühlemanns zurück und würdigt Mühlemann und seine Leistung sowie die große Bedeutung seiner Arbeit für das Unternehmen, die Prophylaxe und die gesamte Zahnmedizin.

Wie alles seinen Lauf nahm
Hans Rudolf Mühlemann wurde 1917 in St. Moritz in der Schweiz als Sohn von Hans Mühlemann, der dort als Bankdirektor arbeitete, und Elsa Müller, die aus einer Familie von Textilindustriellen stammte, geboren. Bereits als Schüler an der Grundschule in St. Moritz und später am Gymnasium in Schiers zeigte er großes Interesse an Wissenschaft und Technik. Obwohl er zunächst Astronaut werden wollte, entschied er sich für ein Medizin- und ein Zahnmedizinstudium an den Universitäten Genf, Bern und Zürich. Später war er als Professor und dann als Direktor des Zahnärztlichen Instituts in Zürich tätig. Im Jahre 1948 heiratete er Maria Stoller, bevor er kurz darauf seine Karriere als Zahnmediziner begann.

Die Fünfziger und Fluorid
In seiner postakademischen Lehrzeit an der Universität von Minnesota in den fünfziger Jahren sah Prof. Mühlemann, wie seine amerikanischen Kollegen die Wirkung von Fluorid zur Vorbeugung von Plaque während der Zahnentwicklung erforschten, indem sie es in das Trinkwasser der Städte Minneapolis und St. Paul gaben. Obwohl dieses ehrgeizige Projekt später aufgegeben wurde und für weitere 40 Jahre auf Eis liegen sollte, erkannte Mühlemann schon lange vor anderen Wissenschaftlern, welches Potenzial Fluorid für die Kariesprävention hatte. Zusammen mit den Chemikern Klaus König, Ruedi Schmid und Bruno Regolati sollte er die nächsten Jahre damit verbringen, nach der idealen Fluorid-Verbindung zur Anwendung in einer Zahnpasta zu suchen und sie zu perfektionieren. Für seine experimentelle Kariesforschung gründete Mühlemann eine Kariesforschungsstation, wo er Fluorid wirksam einsetzte, um die Belagsentwicklung durch Streptococcus mutans bei Ratten zu hemmen. Die für Mühlemann typische Tatkraft und seine Vision führten schließlich dazu, dass das wachsende Team von Mühli erfolgreich die erste Aminfluoridzahnpasta entwickelte. 1957 wurde seine einzige Tochter, Marietta, geboren.

Ein sauberer Zahn wird nicht krank, gesundes Zahnfleisch blutet nicht
Mühlemann maß der Prävention bei der Behandlung von Karies und Parodontitis bekanntermaßen große Bedeutung bei. Bei seinem Grundsatz „Ein sauberer Zahn wird nicht krank, gesundes Zahnfleisch blutet nicht“ ist es wenig überraschend, dass in seiner Praxis über ein Drittel der Behandlungsfläche für die Prophylaxe reserviert wurde. Die Notwendigkeit der Prophylaxe führte er auf mehrere Faktoren zurück: epidemiologische Studien zu Kariesbefall und Parodontitis und die Entdeckung der kariesprophylaktischen Wirkung von Fluorid sowie bakterieller Zahnbeläge durch exzessiven Süßwarenkonsum als Ursache für ungesunde Zähne.

In den sechziger Jahren führte Mühlemann einige erste Kurse in Präventivmedizin und Schulungen für Studenten zu klinischer Parodontologie ein. Da es zu dieser Zeit in der Schweiz keine Bildungsprogramme zur Zahnhygiene gab, stellten manche Schweizer Zahnärzte, darunter Mühlemann, amerikanische Dentalhygienikerinnen in ihren Privatpraxen ein. Seine ununterbrochenen Bemühungen im Bereich der Zahnpflege sollten später zur Gründung der ersten Dentalhygieneschule in Zürich führen.

Prävention und Teamarbeit
In den Siebzigern erreichte das Team Mühli den Höhepunkt seiner Forschungen. Die Zusammenarbeit mit dem Chemiker Bernard „Bernie“ Guggenheim, Doktor Thomas Imfeld und dem Elektroingenieur Thomas Reich ermöglichte es Mühlemann, das Gebiet der oralen Telemetrie zu modernisieren und auszuweiten. Das Team untersuchte die Reaktion der Zahnoberfläche auf Zucker und stufte die Kariogenität verschiedener Nahrungsmittel und Getränke ein. Außerdem konnten sie die Komponenten von Zahnplaque bestimmen. Daher überrascht es nicht, dass Mühlemann ein überzeugter Verfechter von alternativen, nicht kariogenen Süßungsmitteln war. Das von ihm eingeführte Regenschirmsymbol kennzeichnet zahnschonende bzw. nicht kariogene gesüßte Produkte und wird noch heute verwendet.

Seine Adhäsivforschung bildete, zusammen mit seinem Lehrbuch Adhäsive Zahnheilkunde, in der restaurativen Zahnmedizin den Grundstein für eine klinisch funktionierende therapeutische Kariologie mit Kompositfüllstoffen. Seine Bemühungen auf diesem Gebiet gaben den direkten Impuls für die Entwicklung und den erfolgreichen Einsatz der CAD/CAM-Technologie.

Qualität statt Quantität
Mühlemann war berüchtigt für seine hohen Erwartungen an seine Angestellten und besonders an sich selbst. Obwohl er nach dem Motto „Es kommt auf die Qualität, nicht die Quantität an“ arbeitete, war er ironischerweise als Wissenschaftler überaus produktiv: Er publizierte über 400 Fachartikel, viele davon auf Englisch, und referierte ungefähr 190 Dissertationen und 14 Habilitationen. Zusätzlich war er Gründer oder Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Vereinigungen sowie Gründer und Editor verschiedener Fachzeitschriften. Er war Vizepräsident des Wissenschaftsrates der Internationalen Zahnärztevereinigung FDI und Gründer und Präsident der kontinental-europäischen Sektion der Internationalen Gesellschaft für zahnärztliche Forschung CED-IADR. In der Zeitschrift Helvetica Odontologica Acta veröffentlichte er die meisten seiner eigenen Forschungsergebnisse. Seine Tochter Marietta erinnert sich noch gut daran, wie Mühlemann, trotz seiner enormen Produktivität, den Spagat zwischen langen Arbeitswochen und kurzen, aber kostbaren Wochenenden mit der Familie schaffte. Wie Mühlemann selbst gesagt hätte: Die Qualität ist entscheidend, nicht die Quantität.

Eine bessere orale Gesundheit für mehr Menschen
Auf eine gewisse Weise ist die Geschichte Mühlemanns die Geschichte der Prophylaxe selbst. Mit seinen Prophylaxekursen an Schulen und Universitäten brachte er Kindern und Medizinstudenten das korrekte Zähneputzen bei. Er sorgte außerdem für die Einführung der alle vier Jahre durchzuführenden Zahnuntersuchungen an Schweizer Schulen. In Verbindung mit kontrolliertem Zähneputzen mit Aminfluoridzahnpasta führte dies dazu, dass zu seinen Lebzeiten deutlich weniger Kinder und Erwachsene an Karies und Parodontitis erkrankten. Mühlemann setze sich dafür ein, seine Erkenntnisse mit allen zu teilen; damit trug er maßgeblich zu einer besseren oralen und allgemeinen Gesundheit für mehr Menschen bei, sowohl in seiner Heimat, der Schweiz, als auch international.

Mit dem Leitspruch „Bessere Mundgesundheit für alle“ baut das Schweizer Familienunternehmen Curaden auf dem intellektuellen und professionellen Erbe Mühlemanns auf und trägt seine Vision in die Zukunft. Das Unternehmen mit Sitz in Luzern stellt nicht nur Mundpflegeprodukte unter seiner Marke CURAPROX her, sondern bietet auch Trainingsprogramme wie iTOP an. Durch die Ausbildung von Dentalprofis, die wiederum ihren Patienten den Weg weisen, möchte Curaden Zahnärzte darin bestärken, sich nicht mehr nur als Reparateure zu sehen, sondern die Weichen für orale und allgemeine Gesundheit zu stellen.

Der Artikel über Prof. Hans R. Mühlemann ist in der vollständigen Ausgabe SWISS DENT 2/2018 auf der Webseite des Herausgebers www.verlag-dr-felix-wuest.ch verfügbar.

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