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Zahnarztpraxen weltweit wieder geöffnet

In vielen Teilen der Welt nehmen Zahnärzte wieder ihre Arbeit auf, aber wie haben sich zahnärztliche Praxis und Behandlung verändert? © DimaSid/Shutterstock
By Jeremy Booth, DTI
May 29, 2020

LEIPZIG – Vor dem Hintergrund, dass die erste Welle der SARS-CoV-2-Pandemie in ihren Ländern überstanden ist, haben viele Regierungen die Einschränkungen des täglichen Lebens mittlerweile gelockert. In Kanada, den USA, Indien und Teilen von Europa beginnen auch Zahnarztpraxen wieder zu öffnen. Allerdings müssen sich Mitarbeiter und Patienten an eine neue Normalität in der zahnmedizinischen Versorgung gewöhnen. Die Präventionsmaßnahmen variieren von Land zu Land, doch kann man sicher sagen, dass ein Besuch beim Zahnarzt heute nicht mehr das ist, was er noch im Februar war.

Halbleere Wartezimmer ohne die gewohnten Magazine, Klatschblättchen und Kinderspielzeuge; Patienten, die sich vom Auto aus telefonisch am Empfang anmelden – das sind nur einige der Maßnahmen, die derzeit den Praxisalltag in der kanadischen Provinz New Brunswick bestimmen.

Kliniken in ganz Kanada waren Mitte März gezwungen zu schließen, doch im Mai nahmen die Zahnärzte in den verschiedenen Provinzen des Landes nach und nach wieder ihre Arbeit auf. In Ontario öffneten die Dentalpraxen ab Ende Mai wieder ihre Pforten, die Wiederaufnahme bestimmter Wahlbehandlungen wurde jedoch durch fehlende persönliche Schutzausrüstung (PSA) und die Gesundheitsrichtlinien für Zahnärzte und Dentalhygieniker behindert.

In ganz Kanada ist die Terminvereinbarung vom Abstandsgebot geprägt. Die Patienten erhalten ihre Termine auf der Grundlage ihrer Bedürfnisse und der Dringlichkeit ihrer Behandlung. Sie werden gebeten, vor und nach der Untersuchung Gesichtsmasken zu tragen, und im Wartezimmer wird Fieber gemessen. Zahnärzte tragen Augenschutz, Masken, Handschuhe und in einigen Fällen Uniformen, Arztkittel und N95-Schutzmasken. Für jeden Termin wird mehr Zeit benötigt, da immer nur ein Patient gleichzeitig behandelt werden darf.

Dr. Aaron Burry von der Canadian Dental Association erklärt in einem Interview mit Global News, dass „Patientensicherheit heute mehr umfasst als nur den Aufenthalt in der Praxis“. Stattdessen betrifft die Patientensicherheit für ihn: „Alles von dem Zeitpunkt, in dem der Patient sein Zuhause verlässt, über seine Ankunft in der Praxis bis zu dem Moment, in dem er wieder geht.“

Großbritannien nimmt zahnmedizinische Versorgung schrittweise wieder auf

Zahnärzte in Großbritannien nahmen im Juni nach und nach die Arbeit wieder auf, nachdem Schottland und Nordirland zuvor ein schrittweises Wiederaufnahmeprogramm für zahnärztliche Behandlungen eingeführt hatten. Die Daten des National Health Service (der im April mehr als 10.000 Anrufe verzeichnet hatte, bei denen die Anrufer an ein zahnärztliches Notfallzentrum verwiesen wurden) sowie Berichte über Patienten, die eigenmächtig Zahnbehandlungen durchführten, hatten die Dringlichkeit der Wiederaufnahme der Behandlungen durch Zahnarztpraxen deutlich gemacht.

Die britischen Zahnärzte nahmen im Juni ihre Arbeit wieder auf und boten zunächst den Patienten Termine in der Praxis an, die eine dringende zahnärztliche Behandlung benötigten, die keinen Einsatz von Aerosol erzeugenden Verfahren erforderte. Es ist davon auszugehen, dass in der Folge auch zahnärztliche Routineuntersuchungen und nicht dringliche Behandlungen ohne Einsatz von Aerosol erzeugenden Verfahren wieder aufgenommen werden.

Tatsächlich boten Zahnarztpraxen in Nordirland ab dem 29. Juni wieder nicht dringliche Behandlungen an, und ab dem 20. Juli werden auch wieder Behandlungen mit Aerosol erzeugenden Verfahren erlaubt sein. Das bedeutet, dass der größte Teil der zahnärztlichen Behandlungen wieder möglich ist, auch wenn bei allen Einsätzen von Aerosol erzeugenden Verfahren eine persönliche Schutzausrüstung erforderlich ist. Wie in Kanada und andernorts wird es auch in Großbritannien von einer ausreichenden Verfügbarkeit der nötigen PSA abhängen, ob der Behandlungsbedarf aller Patienten abgedeckt werden kann.

Zahnärztliche Behandlungen in den USA wieder aufgenommen

Praxen wie diese in Maryland bieten seit dem 7. Mai auch wieder Wahlbehandlungen an, die Zahnärzte im Bundesstaat entscheiden nach eigenem professionellem Ermessen, welche Patienten sie behandeln und welche Verfahren sie durchführen. © Nicole Glass Photography/Shutterstock

Auch in den USA wurden die zahnärztlichen Behandlungen wieder aufgenommen, obwohl das Land die höchsten Infektionszahlen und die höchste Zahl an COVID-19-Toten weltweit verzeichnet. Ab Ende Mai waren Zahnärzte in New York, Michigan und New Mexico nicht länger auf Notdienste beschränkt, sodass zahnärztliche Wahlbehandlungen mittlerweile in allen 50 US-Staaten und dem District of Columbia zugelassen sind.

Die American Dental Association gab bekannt, dass sie die Wiederaufnahme von Dentalleistungen in Staaten mit abnehmenden Infektionsraten unterstützt, die bundesstaatliche Seuchenbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) rät Patienten jedoch, sich auf notwendige Behandlungen zu beschränken.

Die CDC bietet auf ihrer Website umfassende Empfehlungen an, unter anderem den Ratschlag, Patienten vor ihren Terminen telefonisch zu triagieren und auf nicht dringliche Behandlungen zu verzichten. Patienten müssen bei der Ankunft Gesichtsmasken tragen und sollten systematisch auf Symptome und Fieber kontrolliert werden. Aerosol erzeugende Verfahren sowie der Einsatz von Dentalhandstücken und Luft-/Wasserspritzen sollten vermieden werden.

Die verschiedenen staatlichen Auflagen und Empfehlungen sowie eine breite Palette von Informationen und Richtlinien für Zahnärzte zu klinischer Praxis, Sicherheit, mentaler Gesundheit, Krediten und digitalen Veranstaltungen stehen auf der Website der ADA zur Verfügung. Dentalunternehmen wie Henry Schein haben eine Reihe von Ressourcen zusammengestellt, um Zahnärzte bei ihrer Wiedereröffnung zu unterstützen.

Indien schließt Zahnkliniken in Clusterzonen

Indien hat viele Teile seiner Wirtschaft wieder geöffnet, darunter auch Zahnarztpraxen, doch Zahnkliniken in isolierten SARS-CoV-2-Hotspots, auch rote Zonen oder Containment-Zonen genannt, wurden auf Notfallbehandlungen beschränkt.

Die Zahnärzte in Indien wurden ab dem 17. März gebeten, auf Wahlbehandlungen zu verzichten, und ab dem 22. März waren viele Praxen aufgrund des beginnenden Lockdowns in verschiedenen Jurisdiktionen zur kompletten Schließung gezwungen. Der Dental Council of India riet Zahnärzten am 7. Mai von Behandlungen mit Aerosol erzeugenden Verfahren ab.

Im Juni berichtete die Tageszeitung The Hindu, dass einige Zahnärzte im südwestlichen Bundesstaat Karnataka, die ihre Praxen gerade wieder geöffnet hatten, erwogen diese wieder zu schließen, nachdem Berichte über einen Zahnarzt aufkamen, der seine Praxis wieder geöffnet hatte und positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden war.

Straßenszene am Pariser Parkwanderweg „La Coulée Verte“ am 19. Mai: In der französischen Hauptstadt kehrt das Leben zur Normalität zurück. © Jerome Labouyrie/Shutterstock

Zahnärzte in Frankreich auf vorsichtigem Öffnungskurs

Nach zwei Monaten des Lockdowns, der am 14. März begann, haben Zahnärzte in Frankreich wieder mit Wahlbehandlungen begonnen. Während des Lockdowns hatten sie ihren Patienten nur eine eingeschränkte Betreuung per Telefon und E-Mail anbieten können.

Associated Press berichtete ,die mehr als 40.000 Zahnärzte des Landes seien besonders gefährdet, sich mit dem Virus zu infizieren.

Ein internationaler Flickenteppich

In der Schweiz wurden Zahnbehandlungen ab dem 27. April wieder aufgenommen, in Island ab dem 4. Mai und in den meisten privaten Zahnarztpraxen in China, Südkorea und Japan ab Mitte April.

Die Sicherheitsmaßnahmen in den Praxen variieren jedoch stark von Land zu Land. In Deutschland, wo Zahnarztpraxen während des Ausbruchs nicht geschlossen werden mussten, müssen beispielsweise nicht alle Patienten bei ihrer Ankunft Masken tragen, und Untersuchungen auf Symptome sind selten. Diese Erfahrung machte zumindest der Autor während einer zahnärztlichen Routineuntersuchung in Leipzig am 29. Mai.

Zahnärzte in Dänemark und Norwegen durften am 20. April wieder öffnen, gleichzeitig traten grundlegende Einschränkungen im Hinblick auf Begleitpersonen sowie Terminvereinbarung und Praxisdesinfektion in Kraft. Diese Maßnahmen und höhere Behandlungskosten aufgrund gestiegener Betriebskosten für Praxen könnten in der Zahnmedizin, zumindest in absehbarer Zukunft, die neue Normalität sein.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel erschien am 29. Mai und wurde am 30. Juni aktualisiert.

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