Großbritannien – Standardisierte Instrumente zur Kariesrisikobewertung kommen in europäischen Zahnarztpraxen bislang nur selten zum Einsatz. Das zeigt eine aktuelle internationale Beobachtungsstudie, über die das British Dental Journal berichtet.
Im Praxisalltag beginnt Kariesmanagement nicht erst bei der Läsion. Entscheidend ist die Frage, wie das individuelle Risiko überhaupt eingeschätzt wird und genau hier zeigt sich in Europa ein uneinheitliches Bild. Im Rahmen der sogenannten CARMEN-Studie wurden Behandlungsdaten und Vorgehensweisen von 51 Zahnärztinnen und Zahnärzten aus vier europäischen Ländern analysiert. Insgesamt flossen die Daten von 1.008 Patientinnen und Patienten ein, bei denen ein Kariesrisikomanagement erforderlich war. Die Auswertung zeigt, dass weniger als 15 Prozent der Teilnehmenden standardisierte Instrumente zur Einschätzung des individuellen Kariesrisikos nutzten. Stattdessen basieren viele Entscheidungen auf klassischen Verfahren wie klinischer Untersuchung und Anamnese.1
Ergänzende Faktoren spielen dabei oft nur eine Nebenrolle. Ernährungsgewohnheiten oder die Fluoridaufnahme werden seltener systematisch erfasst. Speicheltests oder mikrobiologische Analysen kommen im Praxisalltag kaum zum Einsatz. Noch deutlicher wird es beim Blick auf die Patientengruppen. Mit sinkendem sozioökonomischem Status steigt das Kariesrisiko. Gleichzeitig orientieren sich Zahnärztinnen und Zahnärzte mit entsprechender universitärer Ausbildung häufiger an empfohlenen Vorgehensweisen.
Die Ergebnisse basieren auf der Studie „Caries risk assessment and management in Europe: the multi-country observational CARMEN study“ von Frias-Bulhosa et al., veröffentlicht 2026 im Dentistry Journal und zusammengefasst im British Dental Journal. Den vollständigen Fachartikel finden interessierte Leser in der Originalpublikation.
1 Wadia, R. Caries risk management in European dental practices. Br Dent J 240, 479 (2026). https://doi.org/10.1038/s41415-026-9756-x
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