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Auf der Suche nach der EHEC-Quelle

EHEC-Bakterien werden an der Universität Zürich untersucht.
UZH News, Antoinette Schwab/ Wissenschaftsjournalistin in Bern

UZH News, Antoinette Schwab/ Wissenschaftsjournalistin in Bern

Mo. 6 Juni 2011

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ZÜRICH - Erkrankungen durch Shigatoxin-bildende Escherichia coli-Bakterien, wie sie zur Zeit in Norddeutschland auftreten, sind in der Schweiz seit 1999 meldepflichtig. Seither werden sie am Institut für Lebensmittelsicherheit und -hygiene der Universität Zürich umfassend erforscht.

Es gibt in der Schweiz wohl niemanden, der sich mit der Verbreitung von Escherichia coli-Bakterien so gut auskennt wie Roger Stephan, Leiter des Instituts für Lebensmittelsicherheit und -hygiene der Universität Zürich.

Und im Moment hat er besonders viel zu tun. Jeder Gemüseverkäufer in der Schweiz will sicher sein, dass auf seinem Gemüse keine dieser krankmachenden Keime sind. Deshalb wird nun sehr viel getestet. Das Institut der Universität Zürich ist das einzige Labor in der Schweiz, das solche Tests durchführt.

In der Schweiz ist der Erreger, der in Deutschland bis heute für rund 1400 Erkrankungen und 16 Tote verantwortlich ist, bisher nirgends nachgewiesen worden. Die beiden Schweizer, die erkrankt sind, haben sich im Ausland angesteckt.

Verbreitetes Bakterium
Escherichia coli, auch Kolibakterien genannt, kommen natürlicherweise im Darm von Säugetieren vor. Im Darm sind sie nützlich und gehören zur normalen Darmflora. Auch Bakterien können von Viren, sogenannten Prophagen, befallen werden, und irgendwann haben vermutlich solche Viren gift-produzierende Eigenschaften von anderen Organismen übertragen.

Die Stämme mit dieser Eigenschaft nennt man Shigatoxin-bildende Escherichia coli, kurz STEC. Sie sind sehr weit verbreitet. «Wenn alle STEC, die es gibt, hoch gefährlich wären, dann wären wir alle nur noch krank», sagt Stephan. Nur ein Teil dieser STEC verursacht Durchfallerkrankungen und nur ein kleiner Teil schwere Komplikationen.

Die Bakterien werden üblicherweise von Rindern auf Menschen übertragen. Aktuelle Resultate zeigen, dass 75 Prozent der Rinder STEC ausscheiden. Sie werden dabei selber nicht krank. Alle Wiederkäuer sind Quellen für diese Erreger: Rinder, Schafe, Ziegen, Rehe, Hirsche. Im Stall, im Wald, im Streichelzoo. Ein riesiges Reservoir. «Wenn man nur lange genug sucht, findet man sie überall», betont Stephan.

Neuartiger Erreger
Die EHEC, die enterohämorrhagischen Escherichia coli, die für den Ausbruch der Seuche in Deutschland verantwortlichen sind, sind eine Untergruppe der STEC. Es gibt verschiedene Bausteine, die vorhanden sind oder eben fehlen können. «Es handelt sich dabei aber nicht um Mutationen», sagt Experte Stephan. Die Untersuchung von Patientendaten aus zehn Jahren zeigt, dass bei gefährlichen Komplikationen praktisch immer die gleichen zwei Bausteine vorhanden sind.

Neu ist, dass ausgerechnet der Stamm in Deutschland nur einen dieser Bausteine aufweist. Ebenfalls neu ist, dass ein spezielles Antibiotika-Resistenzplasmid vorkommt. Die Antibiotika-Resistenz ist jedoch in diesem Fall problemlos, weil bei dieser Erkrankung sowieso keine Antibiotika gegeben werden, da sie zu vermehrter Toxinproduktion führen.

Gülle als Keimquelle unwahrscheinlich
Bei den Erkrankten in Deutschland handelt es sich vorwiegend um Frauen. Auch das ist neu. Gemeinsames Merkmal der Erkrankten: Sie haben im Vergleich mit einer Kontrollgruppe überdurchschnittlich oft rohe Gurken, Tomaten und Salat gegessen. Deshalb kamen die zuständigen Stellen auch schnell auf die Idee, dass der Erreger im Gemüse zu suchen sein müsse. Es gibt sonst offenbar nichts, was die Fälle verbindet.

Roger Stephan kann sich nicht vorstellen, dass die Keime, wie auch schon behauptet, mit der Gülle auf das Gemüse gekommen sind. Viel wahrscheinlicher sei, dass es belastetes Wasser gewesen ist. STEC können in allen Oberflächengewässern vorkommen. Nach einer längeren Trockenzeit, wenn das Wasser in den Flüssen zurückgeht, kann die Konzentration ansteigen. Und während einer Trockenzeit wird oft mit Flusswasser bewässert.

Heute scheint zumindest klar, dass auf den verdächtigten Gurken aus Spanien zwar STEC gefunden wurden, jedoch nicht der neuartige Erreger. Die Gurken waren also offenbar nicht der Grund für den Ausbruch der Krankheit in Norddeutschland. Die Suche geht also weiter.

Hamburger und Kuheuter

Eine Erkrankung durch Shigatoxin-bildende Escherichia coli-Bakterien, kurz: STEC, wird auch als «Hamburger-Krankheit» bezeichnet. Vom Ausbruch der EHEC-Seuche, einer Untergruppe der STEC, ist die Stadt Hamburg mit aktuell fast 700 Verdachtsfälle zwar am meisten betroffen, doch der Name «Hamburger-Krankheit» kommt aus einer ganz anderen Ecke: Im Jahr 1983 erkrankten in den USA Hunderte von Menschen nach dem Konsum von ungenügend durchgebratenen Hamburgern. Auffallend ist, dass es in der Schweiz in den letzten zehn Jahren keine eigentlichen Ausbrüche mit einer einzigen Quelle gegeben hat. Die Erkrankungen treten jeweils vereinzelt und sporadisch auf. 30 bis 70 Fälle sind es insgesamt jedes Jahr. Meistens trifft es Kinder unter fünf Jahre.

Ein weiteres Risikolebensmittel ist Rohmilch. «Vom lebensmittelhygienischen Standpunkt aus gesehen sind die Euter wirklich am dümmsten Ort», meint Roger Stephan, Leiter des Instituts für Lebensmittelsicherheit und -hygiene der Universität Zürich. Die pasteurisierte Milch im Regal ist unbedenklich, doch die Keime können den Reifungsprozess beim Rohmilchkäse überleben. Zur Zeit läuft ein Versuch, den Prozess der Käseherstellung so zu modifizieren, dass die Erreger verschwinden.

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