Dental Tribune Switzerland

Der Geruch „liegt auf der Zunge“

Von Johannes Eschmann, Dental Tribune Switzerland
July 23, 2009

BASEL – Ein Viertel der Menschheit leidet zu bestimmten Tageszeiten unter sozial unverträglichem  Mundgeruch, 6% aller Personen ständig. In neun von zehn Fällen liegt die Ursache im Mund!

Somit ist der Zahnarzt Ansprechpartner und Problemlöser. Am Halitosis Update 2009 vom 18. Juni in Basel riet Prof. Dr. Andreas Filippi, Universität Basel, seinen Kollegen, sich dieses Themas anzunehmen: Denn nicht der Magen-Darm-Trakt ist der Übeltäter, wie heute vielfach vermutet.

Die Zahnärzte müssen aufklären, denn in den Augen ihrer Patienten ist er der falsche Ansprechpartner. Zu Unrecht: Prof. Filippi erkannte dieses Problem schon vor Jahren und organisierte an der Uni Basel eine  erfolgreiche Mundgeruch-Sprechstunde. Mit professioneller Diagnostik und Therapie kann dieses Problem, wenn es sich nicht um extraorale Ursachen oder Halitophobiker handelt, vom Zahnarzt gelöst werden.

Gradmesser für den Leidensdruck vieler Patienten ist der Verbrauch von Produkten, die einen „frischen Atem“ versprechen, den Geruch aber lediglich kaschieren. Den Betroffenen und deren sozialem Umfeld ist dabei nicht geholfen. Mundgeruch macht einsam!

Prof. Filippi referierte aufschlussreiche epidemiologische Daten aus aller Welt. Fazit: Auf der rauen  Zungenoberfläche fühlen sich gram-negative anaerobe Bakterien am wohlsten. Deshalb liegt dort die Ursache für Mundgeruch auch am häufigsten (bis zu 50 %), danach folgen Gingivitis mit 17 % und Parodontitis mit 15 %, und in einigen Fällen ist es eine Kombination. Nur 4% sind HNO-induziert und
3% fachgebietsübergreifende Pilzinfektionen. Der üblicherweise „hauptverdächtige“ Gastro-Intestinal-Trakt ist mit maximal 1% hiermit freigesprochen. 5% sind psychische Pathologien.

Für den Zahnarzt ist wichtig zu wissen, dass sich die Untersuchung eines Mundgeruch-Patienten grundsätzlich von einer normalen Untersuchung unterscheidet und die Patienten nur bei einer streng kausalbezogenen Therapie von ihrem Leiden  befreit werden. Prof. Filippi ging auch auf die Kofaktoren bei der Entstehung von Mundgeruch ein. Klassische Auslöser sind Mundtrockenheit durch Stress, Ernährungsgewohnheiten, Rauchen, Kaffee, Medikamente.

Zur Therapie eignen sich Zungenbürsten (von dorsal nach ventral), spezielle Zungenpasten, spezifisch wirkende Mundspüllösungen, und natürlich eine sorgfältige Mundhygiene.

Dr. Jan Massner von der medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung der GABA AG, die diesen Fortbildungskurs unterstützte, bedankt sich bei den über 40 Teilnehmern und bei Prof. Andreas
Filippi für dessen profunde Informationen. Die Fragen aus dem Auditorium zeigten, dass dieses Thema bisweilen noch zu wenig beachtet wird.

Erstmals erschienen in der DT Switzerland 7+8/2009.

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