Dental Tribune Switzerland

Hatte der Allosaurus fragilis Zahnerosionen?

von Johannes Eschmann, DT Switzerland
December 20, 2010

BASEL – Zu einem Fortbildungsabend mit Prof. Adrian Lussi lud GABA Schweiz ins Naturhistorische Museum Basel.

Über 120 Dentalhygienikerinnen nahmen in der altehrwürdigen Aula der Universität Basel im Berri-Bau Platz, um Prof. Lussi von den ZMK der Universität Bern zum Thema „Zahnerosion – von der Diagnostik zur Therapie“ zu hören. In diesem Bau auf dem Münsterhügel befindet sich seit 1849 das Naturhistorische Museum, dessen älteste Objekte, fossile Haifischzähne, Blasen- und Nierensteine, aus dem Cabinett des Felix Platter (1536–1614) stammen.

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Er begann mit der Frage, was ist eine Erosion, von der bald 43 % der Bevölkerung betroffen ist? Die Progression der dentalen Erosion – der Demineralisation der Zähne ohne Beteiligung von Bakterien – hat deutlich zugenommen. Der Konsum von Softdrinks hat sich in den vergangenen 20 Jahren verdrei­facht. Die Trinkgewohnheiten haben sich zudem verändert – man muss nur mal durch eine Fussgängerzone gehen und sehen, wie viele Jugendliche an ihrem Süssgetränk „nuggeln“. Obwohl in historischer Umgebung – Prof. Lussi räumt gerne mit althergebrachten Lehrsätzen auf. So ist ihm die 30-Minuten-Zahnputz-Regel ein Dorn im Auge. Und er belegte seine Meinung mit eindeutigen Zahlen.

Als wertvolles Hilfsmittel zur Diagnose nannte er den BEWE Score (Basic Erosive Wear Examination), den er 2008 zusammen mit Bartlett und Ganβ vorgestellt hatte. Mit diesem Schema lassen sich Erosionen einfach quantifizieren und die Säureschäden klinisch zuverlässig beurteilen.

Was ist zu tun? Prof. Lussi empfahl seinen Zuhörerinnen eine Individualprophylaxe, da generelle Empfehlungen wenig sinnvoll seien. Das Risikoprofil der Patienten sei breit gefächert. Bei einem Milchgebiss komme es viel früher zu ausgeprägten Läsionen als bei den bleibenden Zähnen. Sportler, Refluxpatienten, Bulimie/Anorexie-Patienten oder Menschen, deren Speichelfluss durch Alter oder Medikamente beeinträchtigt ist, alle haben ihr individuelles Risikoprofil.

Als symptomatische Therapie empfiehlt Prof. Lussi die Fluoridierung – leicht saures, aminfluoridhaltiges Fluoridgel mit dem Finger aufbringen (> wöchentlich), Zinn-enthaltende Spüllösung (täglich), Änderung eventuell traumatischer Zahnputztechniken und bei raschem Fortschreiten/Überempfindlichkeit: Schutz mit einem Bondingsystem.

Prof. Lussi verstand es, in knapp zwei Stunden die Indikation darzustellen und Leitsätze für die tägliche Praxis zu formulieren. Anschliessend hatten dann die Besucher den Apéro riche redlich verdient.  

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